geburtshaus pater joseph kentenich

20070110

diplomarbeit
ort : gymnich, rhein-erft-kreis

diashow des projektes
fotoset
making of


pläne als diashow

zeichnungen, grafiken
im detail anschauen (diashow)

modell als diashow


GENIUS LOCI

Im Jahre 1885 wurde Pater Josef Kentenich in Erfstadt- Gymnich geboren. Hier verbrachte er auch seine frühe Kindheit. Josef Kentenich war Pater in der Gesellschaft der Pallottiner, einer Ordensgemeinschaft päpstlichen Rechts, und ist Gründer der internationalen Schönstatt-Bewegung. Die Schönstattbewegung ist eine internationale geistige Erneuerungsbewegung innerhalb der katholischen Kirche.

Das Geburtshaus Kentenichs ist bis heute erhalten geblieben- doch die vorhandene Bausubstanz hat durch vielfache Umbaumaßnahmen in den letzten Jahrzehnten ihre ursprüngliche Identität verloren, sie stellt sich auch in einem nicht mehr intakten historischen baulichen Umfeld dar. Das Geburtshaus selbst in seiner 60iger Jahre Optik und auch die Mantelbebauung am Kunibertusplatz erinnern wenig an die Kindheitsjahre Kentenichs um die Jahrhundertwende 1900.

Durch diese baulichen Veränderungen hat das Geburtshaus viel von seiner spirituellen Wirkung eingebüßt, die es auf die zahlreichen Anhänger der Schönstattbewegung hat.

Daher verlangt das große Interesse an der Geburtsstätte Kentenichs nach einer Neustrukturierung und auch Nutzung des gesamten Grundstücksareals, die die spirituelle Kraft Kentenichs, die hier ihren Anfang nahm, durch angemessene Architektur sicht- und erfahrbar macht.


EMOTION

Ein Grundthema im Leben Josef Kentenichs war die Emotion.
Von dem tiefen Vertrauensverhältnis zu seinen Schülern bis hin zur Liebe zur Gottesmutter Maria- es waren Emotionen die Josef Kentenich und damit schlussendlich auch die Schönstattbewegung prägten.

Einer der großen Neuerungen der Schönstattbewegung war, daß sie die Herzen der Menschen ansprach anstatt- wie die Kirche dieser Zeit- nur in starren Konventionen und Traditionen zu verharren.

Folgerichtig muss auch das Geburtshaus dieses Mannes Emotionen auslösen und die Herzen der Besucher ansprechen.
Um Josef Kentenich gerecht zu werden muss die Architektur seines Geburtshauses die Menschen berühren, bewegen und sie inspirieren. Die Architektur muss Katalysator sein und gleichzeitig individuelle Stütze und Inspiration bei der Interpretation des Vergangenen sowie der Zukunft.
Die Architektur muss dazu betragen, dass der Besuch in Josef Kentenichs Geburtshaus für die Anhänger der Schönstattbewegung nicht bloß eine Wallfahrt sondern ein Impuls ist.

So findet das architektonisch- städtebauliche Konzept in diesem abstrakten Impuls und der Emotion seinen Ausdruck und seine Sprache.

Und so wie die Schönstattbewegung erst durch die "Bewegung" Pater Kentenichs und seiner Anhänger Einfluß nahm auf die katholische Kirche, so wird das Bauwerk durch die Bewegung der Besucher zu einer begehbaren Skulptur.


RAUM

Nebengebäude - Rekonstruktion

Die beiden Nebengebäude haben den höchsten Denkmalwert und wurden schon teilweise rekonstruiert. Sie werden angepasst und der Urzustand wird- soweit wie möglich- wiederhergestellt. Die Nebengebäude bilden mit der Neubebauung den Innenraum.


Geburtshaus - Abstraktion - Inspiration

Das Geburtshaus sucht und findet seine neue Identität in einer Abstraktion der Ur- Bausubstanz sowie einer Raumdefinition und - erfahrung, die dem ursprünglichen Charakter des Hauses nahe kommt.

Auf eine Einrichtung und Möblierung der Räumlichkeiten im Stile des 19. Jahrhunderts wird verzichtet um der Gefahr, dass das Geburtshaus zu einem Disneylandschaft verkommen könnte, entgegen zu wirken.

Durch die neue Raumgestaltung und Materialwahl soll das rückgeführte Geburtshaus dem Besucher neben Informationen auch Freiraum für Gebet, Andacht und Meditation geben.


Neubau - Interpretation

Die Erweiterung dient als Funktionsergänzung, die mit dem bestehenden Nebengebäuden einen Raum inszenieren soll, der durch einen Innen- sowie einen Aussenraum definiert wird.

Geprägt durch ein schwebendes Dach und eine transparente Fassade dient der Neubau gleichzeitig als Übergang als auch als Trennung zum bisher bestehenden.
Der Neubau bietet den Freiraum zur Interpretation der im Geburtshaus gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse.
Garten

Als Skulpturengarten, der über den Hof sowie über den Neubau zu erreichen ist, bietet der Aussenraum weitere Möglichkeiten zur Inszenierung.

Da der sich nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern im zentralen Raum, dem Geburtszimmer, aufhalten können, sollen sich grosse Besuchergruppen auf diese Räume verteilen.


NUTZUNG - FUNKTION

Geburtshaus

Im Erdgeschoss ermöglicht ein Informationsraum die Auseinandersetzung mit dem historischen Gymnich und dem Geburtshaus anhand von Modellen. Die Modelle sollen das Geburtshaus im städtebaulichen und historischen Kontext des letzten Jahrhunderts darstellen sowie das Geburtshaus im Detail.

Bilder und Darstellungen aus dieser Zeit sollen den Besucher auf eine Zeitreise schicken und die Vergangenheit realistisch visualisieren. Gerade Darstellungen über die allgemein ärmliche Lebensweise in Deutschland in der Zeit von Kentenichs Geburt sind gerade für Besucher aus dem Ausland interessant.

Der vorhandene Aufenthaltsraum wird durch eine neue Wand halbiert und erhält rückseits eine kleine Wohnung zur Übernachtung der Padres, die gelegentlich aus Schönstatt anreisen. Die Einteilung des Erdgeschosses in vier Räumlichkeiten entspricht so auch der orginären/ authentischen Grundrissaufteilung.

Die Erschliessung des Obergeschosses wird geändert und an die Rückwand verlegt, die Wohnung und die Dachgauben werden abgebrochen.
Es ist anzunehmen dass sich das Geburtszimmer zur Zeit Kentenichs ebenfalls in einem nichtausgebauten Zustand befand. Die spirituelle Kraft des Geburtszimmers wird durch die reduzierte Architektur verstärkt und beschränkt.
Das so entkernte Obergeschoss mit freigelegter Kehlbalkenlage wird zu einem Raum für Meditation und Gebete herausgearbeitet.

Als Interpretation des historischen Walms wird ein verglaster Krüppelwalm hergestellt. Gleichzeitig dient dieser zur Belichtung des Geburtszimmers.
Die Scheibe ist mit einem Stern bedruckt und dieser projeziert einen Schatten auf den Boden des Geburtszimmers. Dieser Schatten markiert den Geburtsort von Josef Kentenich. Da im Leben Kentenichs die nicht greifbaren Emotionen eine solche grosse Rolle gespielt haben, muss auch der Anfang seines Lebens durch etwas nicht greifbares und doch erhellendes markiert werden.


Neubau

Im Neubau befindet sich der Gemeinschaftsraum. Dieser raum hat verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, er kann als Speisesaal aber auch für Versammlungen, Vorträge, Seminare oder Ausstellungen genutzt werden.

Aufgrund des nicht vorhandenen Raumes auf der länglichen Grundstücksparzelle sind alle Wege im Neubau inszeniert und die vertikalen Wandflächen dienen als Medium und Ausstellungsfläche. Das Obergeschosses ist über eine Rampe sowie einen Senkrechtlift zu erreichen.

Der erste Weg ins das Geburtszimmer sowie der Rückweg in den Gemeinschaftraum sind so existenzieller Bestandteil der Grundrissorganisation und Gestaltung des Neubaus. Das hier eine Affinität zum Lebenswegs Kentenichs hergestellt wird ist ausdrücklich gewünscht.

Die zum Garten orientierte Wandscheibe erhält eine Küchenzeile die zur vereinfachten Beköstigung der Besucher ausreichend ist.

Die Sanitär-, Technik- und Lagerräume im Untergeschoss kompletieren das Nutzungsspektrum der Gesamtanlage.


Nebengebäude

Die Gestalt und Nutzung des kleinen Stalles mit "Plumsklo" bleibt erhalten.
Das grössere Nebengebäude wird dezent zum öffentlichen Informationsraum umgebaut. Durch eine transparente Informationstafel kann der Besucher Informationen über Pater Kentenich und die Schönstatt- Bewegung erhalten, ohne die anderen Gebäude zu betreten. So bleibt der Ort von den allgemeinen Öffnungzeiten unabhängig.



AUSSTELLUNG - INZENIERUNG

Neubau

Massive Rückwand- Naturstein
Thematik: Glaube, Kirche, Kentenich, Schönstatt

Die Rück- und Gebäudeabschlusswand des Neubaus wird in Naturstein ausgebildet und erhält Touchscreens mit mehrsprachigen Informations- und Schauseqenzen, die vom Besucher individuell zu steuern sind.
In die Wand werden außerdem bearbeitete Steine mit Botschaften und Symbolen integriert. Diese sollen den Besucher zur weiteren Beschäftigung mit der Thematik anstiften und gleichzeitig ist der Besucher aufgefordert, nach weiteren Botschaften zu suchen.


Innenwand - glas
Thematik: kentenich-pädagogik

Die Innenwand aus Glas symbolisiert den Glauben in seiner Transparenz und Transzendenz. Auch die Innenwand dient zum Transport von Kentenichs Botschaften und trägt so zur Inspiration der Besucher bei.
Dadurch, dass das Glas wechselnd beidseitig bedruckt werden kann ergeben sich je nach Standpunkt des Besuchers neue Einblicke und Ansichten.


Fassade- Glas

Die transparente Gebäudehülle dient der räumlichen Trennung zwischen dem alten und dem neuen Gebäudeteil. Weiter sind so ein Ausblick auf die Nebengebäude und das Geburtshaus von allen Standpunkten im Gebäude möglich.
Die Glasfassade bietet Platz für kleine auf das Glas gedruckte Botschaften, die, abhängig vom gewähltem Standpunkt, weitere Interpretationen zulassen.





fh köln | fakultät für architektur
institut für baugeschichte und denkmalpflege
prof.dr.-ing.norbert schöndeling
prof.dr.-ing.michael werling


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presse :
ein museum für pater kentenich, ksta
Das Haus ist ein Juwel, köln.rundschau




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